Knorpelchirurgie

Diagnose: Knorpelschaden, Knorpeldefekt, osteochondraler Defekt (OCD), Osteochondrosis dissecans

Gelenke müssen über viele Jahrzehnte Tag für Tag verlässlich arbeiten und zum Teil höchsten Belastungen standhalten. Damit sie diese Funktionen optimal erfüllen können, bedarf es eines gesunden Knorpels. Der weiche, elastische hyaline Knorpel besteht im Wesentlichen aus Knorpelzellen (Chondrozyten), einer Grundsubstanz (Matrix), eiweißhaltigen Kollagenfasern und eingelagertem Wasser. Der Knorpel sorgt einerseits für die reibungslose Bewegung des Gelenks, andererseits ist er in der Lage, Belastungen und Stöße bis zu einem Vielfachen unseres Körpergewichts aufzufangen und zu dämpfen.

Schäden am Gelenkknorpel können anlagebedingt (Osteochondrosis dissecans) oder altersbedingt sein oder aber durch übermäßige Belastung (Sport, Beruf, Übergewicht), Bewegungsmangel bzw. akut nach Unfällen auftreten. Eine Behandlung ist oft schwierig, da der Knorpel nicht durchblutet wird und dem Gewebe daher die Fähigkeit fehlt, sich selbst zu regenerieren.

Der Verlust von Knorpelsubstanz – isoliert durch Ausbruch eines Knorpelstücks oder flächig durch Abrieb – ist irreversibel, das heißt, ein Knorpelschaden heilt nicht. Tiefer gehende Knorpeldefekte führen, wenn sie unbehandelt bleiben, zu einem erheblichen Gelenkverschleiß (Arthrose).
Deshalb sollten erkannte geringere Knorpelschäden frühzeitig konservativ mit einer entsprechenden Arthrosetherapie (Injektionen von Hyaluronsäure und Wachstumsfaktoren aus Patientenblut (ACP = Autologes Conditioniertes Plasma oder PRP = Platelet Rich Plasma)), mit Nahrungsergänzungsmitteln, Gewichtsreduktion, speziellen Schuheinlagen und anderen Maßnahmen behandelt werden, um ein Fortschreiten des Krankheitsprozesses abzubremsen.

Bei größeren und tieferen Knorpelschäden mit entsprechender Schmerzhaftigkeit sollte der Knorpelschaden operativ behandelt werden, um der drohenden Arthrose vorzubeugen. Hierzu bieten wir verschiedene minimalinvasive arthroskopische Operationsverfahren an. Welches die beste Knorpelchirurgie Behandlung eines Knorpelschadens ist, hängt neben dem Alter und dem Anspruchsniveau des Patienten von der Lage, insbesondere aber von der Größe und Tiefe des Knorpelschadens ab. Knorpelschäden werden deshalb nach einer Gradeinteilung klassifiziert:

  • Grad I: Erweichung des Knorpels
  • Grad II: oberflächliche Rauigkeiten des Knorpels
  • Grad III: tiefgreifende Rauigkeiten des Knorpels
  • Grad IV: Knorpel ist bis auf den Knochen abgerieben

Knorpelglättung (Chondroplastik)

Bei einem Knorpelschaden mit dem Grad II–III werden teilgelöste hervorstehende Knorpelanteile mit einem speziellen Instrument mechanisch (Shaving) oder thermisch (Coblation) entfernt und der Knorpel so geglättet. Die weitere Behandlung zur Prävention des Fortschreitens des Knorpelschadens (siehe Arthrosetherapie) erfolgt konservativ.

Regeneration durch Knochenmarkstimulation (Bioprothese)

  • Abrasionsarthroplastik:
    Dieses bereits in den 50er Jahren entwickelte Verfahren findet bei einem fortgeschrittenen flächigen Knorpelschaden mit Grad III–IV Anwendung. Das therapeutische Ziel ist die Bildung eines faserigen Ersatzknorpels. Zunächst werden geschädigte Restknorpelanteile entfernt, dann wird die verhärtete Knochenoberfläche am Gelenk flächig angefräst. Der intakte Knochen reagiert darauf mit kleinen Blutungen, und die Stimulation des Knochenmarks und seiner Stammzellen regt die Bildung von Faserknorpel an. Dieser breitet sich über den absichtlich herbeigeführten Verletzungen aus und entwickelt sich zu einem narbenähnlichen Ersatzknorpel.
  • Mikrofrakturierung/Nanofrakturierung:
    Diese modernere Methode, die bei tiefen kleineren Knorpeldefekten mit Grad III–IV angewendet wird, macht sich ebenfalls die regenerativen, heilenden Kräfte des Körpers zu eigen, indem – insbesondere bei jüngeren Patienten unter 50 Jahren – auch hierbei die Bildung von Ersatzknorpel aus körpereigenen Stammzellen angeregt wird. 
Nachdem geschädigte lockere Knorpelanteile sorgfältig entfernt und ein stabiler Randwall zum umgebenden gesunden Knorpel geschaffen wurde, wird der freiliegende Knochen mit vielen kleinsten Stichen einer Ahle eröffnet. Die Stiche füllen sich mit stammzellhaltigen Blutspfropfen, die sich zu Narbengewebe und letztlich zu Ersatzknorpel umbilden. Gleichwohl dieser Ersatzknorpel eine mindere Qualität als der biologische hyaline Knorpel hat, werden die Ergebnisse dieser Operationstechnik in der Literatur mit 80 Prozent als gut angegeben, das gilt für einen Zeitraum von bis zu 10 Jahren.

Ersatz

In Fällen, in denen mit einer körpereigenen Regeneration des Knorpelschadens nicht zu rechnen ist oder diese nach einem Eingriff nicht ausreichend eingetreten ist, kann ein Knorpelimplantat angezeigt sein.

  • Matrixgestützte Autologe Chondrozyten Transplantation (MACT)
(Artrocell 3 D®)
    Mit der matrixbasierten Autologen Chondrozyten Transplantation (MACT) steht vor allem bei größeren vollschichtigen Knorpelschäden mit Grad IV eine innovative, sehr sichere und erfolgreiche Methode zur Verfügung, um belastungsstabilen Knorpelersatz aus körpereigenen Zellen zu erstellen.

In einem ersten arthroskopischen Eingriff wird aus einem nicht tragenden Gelenkanteil ein winziges Stück gesunden Knorpels entnommen. Gleichzeitig erfolgt eine Blutabnahme zur Serumgewinnung für die spätere Zellkultivierung.
Ein spezialisiertes Labor löst dann unter hochsterilen Reinraumbedingungen die Knorpelzellen (Chondrozyten) aus der Knorpelsubstanz heraus und vermehrt diese in dem körpereigenen Serum. 

Während bei gängigen Verfahren gezüchtete Knorpelzellen auf ein spezielles Netz/Vlies aufgetragen werden, das später in einem offenen Eingriff in den Knorpeldefekt eingeklebt oder eingenäht werden muss, bilden die Chondrozyten in dem von uns angewandten patentierten innovativen Zellkulturverfahren der Firma co.don ohne Einsatz von Trägermaterialien selbst eine dreidimensionale Struktur

    Etwa 6 Wochen nach dem Ersteingriff wird in einem zweiten arthroskopischen Eingriff dieses gelartige dreidimensionale Knorpelzelltransplantat mit einer Spritze selbsthaftend in den Knorpeldefekt eingebracht. Weitere Fixationsverfahren sind nicht nötig.

    Vorteile diese Verfahrens sind die komplikationsarme vereinfachte Implantationstechnologie, die hohe Qualität und Belastbarkeit des körpereigenen Knorpelimplantates und die nachweislich gute Verbindung mit dem umgebenden gesunden Knorpelgewebe. 
Nachteile sind die hohen Kosten und die Notwendigkeit zweier operativer Eingriffe.

  • Bioregeneratives Kollagenimplantat (ChondroFiller® Gel/liquid)
    Der von uns verwendete ChondroFiller® ist ein biologisches Implantat der allerneuesten Generation. Es besteht aus hochreinem Kollageneiweiß, einem Hauptbestandteil des Knorpels, erzeugt eine hochwertige Auffüllung des Knorpeldefektes und funktioniert dabei ohne eine zusätzliche vorherige Züchtung von Knorpelzellen im Labor.

    Für den Patienten ist daher lediglich ein arthroskopischer oder minimalinvasiver Eingriff – je nachdem ob der ChondroFiller® als Flüssigkeit oder als Gel verwendet wird – notwendig, in dem das Implantat in den zuvor gereinigten Knorpeldefekt eingebracht wird. Mit der Zeit wachsen körpereigene Zellen in das Implantat ein, wodurch neuer und gesunder Knorpel aufgebaut wird und das Gelenk nach einigen Wochen wieder voll belastbar ist.

    Diese innovative Methode stellt zurzeit das schonendste Verfahren zur Knorpelregeneration für den Patienten dar, erspart einen zweiten Eingriff, benötigt keine aufwändige Zellzüchtung und spart in erheblichem Umfang Kosten.

Alle beschriebenen knorpelrekonstruktiven Eingriffe erfolgen wahlweise kurzstationär (2 Tage Klinikaufenthalt), können aber auch problemlos ambulant durchgeführt werden.

Postoperativ wird dem Patienten ein spezielles Nachbehandlungsschema an die Hand gegeben.

Im Anschluss an den operativen Eingriff ist je nach Lage und Größe des Defektes eine bis zu 6-wöchige Teilbelastung notwendig, um das Einheilen der wachsenden oder verpflanzten Zellen zu ermöglichen. Eine Vollbelastung des Gelenkes kann nach etwa 3 Monaten erfolgen.
Auf Lauf-, Sprung- und Kampfsportarten sollte mindestens für ein Jahr verzichtet werden.