Hallux valgus

Schiefstand des Großzehs, Ballenzeh

Hallux valgus

Der Hallux valgus (Hallux = lateinisch für große Zehe, valgus = lateinisch für nach außen gerichtet) ist ein grundsätzlich genetisches Phänomen, das aber durch äußere Faktoren wie hohe Absätze, enge Schuhe, Bindegewebsschwäche, Übergewicht, langes Stehen sowie Rheuma ungünstig beeinflusst wird.
Er zählt zu den häufigsten Fehlstellungen des Fußes. Frauen sind zehnmal häufiger davon betroffen als Männer.

Beim Hallux valgus schiebt sich bei einer vorliegenden Aufspreizung des Mittelfußes (Metatarsus primus varus) der erste Mittelfußstrahl nach innen, die Großzehe selbst nach außen.

Die so entstehende Vorwölbung des Großzehengrundgelenkes (Pseudexostose) stellt nicht nur ein kosmetisches Problem da, sondern führt bei Fortschreiten der Fehlstellung zu schmerzhaften Beschwerden mit einer zunehmenden Einschränkung der natürlichen Fußabrollbewegung. Druckempfindlichkeit in Schuhen und schmerzhafte entzündliche Reaktionen des Ballens, eine sich entwickelnde Arthrose des Großzehengrundgelenkes (Hallux rigidus), Mittelfußschmerzen (Metatarsalgie) mit Hornhautschwielen durch die Fehlbelastung und eine Verdrängung der benachbarten Kleinzehen mit nachfolgender Ausbildung von Deformitäten (Hammerzehe, Krallenzehe) sind die Folgen. 
Nur im schmerzfreien Anfangsstadium der Erkrankung besteht die Möglichkeit einer konservativen Therapie (Schuhwechsel, Einlagenversorgung, Korrekturbandagen, Fußgymnastik). Schmerzhafte Fehlstellungen bedürfen der operativen Korrektur.

Je nach Schwere der Deformation (klinische Untersuchung, Röntgen, Pedobarographie) stehen verschiedenartige Methoden zur Verfügung, die mit Ausnahme der Resektionsarthroplastik alle auf einen Erhalt des Gelenkes zielen.

Weichteiloperationen

Infolge der knöchernen Deformation des Vorfußes kommt es auch zu Verformungen der Weichteile und dabei zu einer erhöhten Spannung der Kapsel des Großzehengrundgelenks. Durch gezielte Schnitte werden betroffene Sehnen und die Gelenkkapsel gelöst und die innenseitigen Gelenkkapselanteile anschließend gerafft, was zu einer sofortigen Entspannung führt.

Bei Kindern und Jugendlichen sowie bei Vorliegen eines lediglich gering ausgeprägten Hallux valgus bei Erwachsenen kann ein operativer Eingriff möglicherweise auf die Gelenkkapsel und die anhängenden Sehnen beschränkt bleiben; die Weichteiloperation kann aber auch ergänzend zu den Korrekturen an der Knochenstruktur erfolgen.

Chevron-Osteotomie, Reverdin-Green-Laird-Osteotomie

Bei leichten bis mittelschweren Formen des Hallux valgus können diese beiden sehr ähnlichen Operationsverfahren angezeigt sein. Über einen kosmetisch kleinen Hautschnitt an der Innenseite des Großzehengrundgelenkes wird das Köpfchen des ersten Mittelfußknochens operativ neu positioniert, nämlich in gerader Linie hinter die Großzehe. Das nach außen verschobene Köpfchen wird mittels einer selbstauflösenden Schraube (BioScrew) oder einer kleinen Titanschraube fixiert, die nach der Heilung nicht entfernt werden muss.

Scarf-Osteotomie

Bei mittleren bis schweren Formen des Hallux valgus wird eine Scarf-Osteotomie durchgeführt. Dabei wird der Schaft des ersten Mittelfußknochens in horizontaler Richtung z-förmig durchtrennt und das Mittelfußköpfchen nach außen verschoben und neu ausgerichtet. Die Knochenanteile werden in ihrer neuen Position mittels zweier Titanschrauben fixiert, die nach der Operation nicht entfernt werden müssen.

Basisnahe Umstellungsosteotomie des ersten Mittelfußknochens

Bei einer sehr ausgeprägten Fehlstellung kann die Korrektur dadurch herbeigeführt werden, dass der erste Mittelfußknochen an seinem körpernahen Ende quer eingeschnitten/eingesägt (osteotomiert) und der vordere Knochenanteil nach außen geschoben wird. Die Fixierung der Osteotomie erfolgt mit Hilfe eines Titanplättchens, das nach der Operation in der Regel nicht entfernt werden muss.
 Dieser Eingriff kann mit einer zusätzlichen korrigierenden Weichteiloperation und gegebenenfalls sogar mit einer Chevron-/Reverdin-Green-Laird-Korrekturosteotomie kombiniert werden.

Resektionsarthroplastik des Großzehengrundgelenkes nach Keller-Brandes

In seltenen Fällen, in denen die knöcherne Fehlstellung von einer ausgeprägten Arthrose des Großzehengrundgelenkes begleitet wird, ist dessen Erhaltung bei älteren, immobilen Patienten möglicherweise nicht mehr angezeigt. 
Es wird dann versucht, ein „Pseudogelenk“ zu formen. Dabei wird die körpernahe Basis des gelenkbildenden Großzehengrundgliedes entfernt. Der frei werdende Raum wird dann mit Gewebe aus der Gelenkkapsel aufgefüllt. Die neu aufgebauten Strukturen werden mittels eines Drahtes fixiert, der bereits nach wenigen Wochen wieder entfernt werden kann.

Alle oben beschriebenen Eingriffe erfolgen wahlweise kurzstationär mit einem Aufenthalt von 2 Tagen in der PAN Klinik oder werden auch problemlos ambulant durchgeführt. Der Eingriff selbst ist schmerz- und risikoarm und führt in über 90 Prozent der Fälle zu einem kosmetisch und funktionell guten Ergebnis. Nach der Operation trägt der Patient einen Vorfußentlastungsschuh, mit dem die Belastung des operierten Fußes sofort möglich ist.